Liebesbrief

Wer schon einmal ein großes Event veranstaltet hat kennt es: Ein großer Berg organisatorischer Arbeit geht dem eigentlichen Event vorweg geht. Da gibt es vieles, was berücksichtigt werden muss, einiges was klappt und trotz aller Mühen immer eben immer auch ein paar Sachen die schief laufen. Seit es Facebook & Co gibt, ist ein neuer Faktor dazu gekommen: für alles, was nicht klappt, bekommt man prompt das Feedback – für alles was gut klappt gibt es umgekehrt jedoch nur in den seltensten Fällen ein Lob.

Umso mehr hat es uns verzückt, als wir am 14.01.2017 die folgende Nachricht erhalten haben. Wir haben die Verfasser um Erlaubnis gefragt, und dürfen sie mit ihrem Einverständnis mit euch teilen. Die Nachricht kam am Abend der Jungle Mania bei uns ins Büro geflattert – ihr könnt euch also vorstellen, dass wir alle gerade ziemlich im Stress waren, aber dennoch haben wir als gesamtes Team einen Moment inne gehalten, um sie zu lesen. Und waren so gerührt, dass uns kurz die Worte fehlten. Solche Nachrichten sind der Grund für uns weiterhin all unsere Liebe, Zeit und Kraft in Partys zu investieren. Aber lest selbst:

 

Liebes Lifeline-Team,

erstmal noch frohes Neues Jahr! Endlich schaffe ich es mal, euch zu schreiben. Ich hatte schon lange vor, euch mal ein kleines Dankesschreiben zukommen zu lassen mit der dazugehörigen Story. Da ich euer Gewinnspiel leider verpennt habe, tue ich das nun auf diesem Wege  Wir denken noch sehr oft an dieses Erlebnis und auch gerade jetzt, da es morgen wieder nach Bremen geht.

…Heeeere we go:

Mein bis dato erstes und einziges Lifeline Event war die Dreamland am 02.10.2016. Ich kann vorwegnehmen, dass dies die mit Abstand geilste Party meines Lebens war. Das liegt wohl vornehmlich daran, dass diese Party für mich aus dem absoluten Nichts kam. Doch von Anfang an:

Das Wochenende am 30.09. begann wie geplant. Ich begab mich mit meinem brother in crime O. nach Hamburg, um mal wieder dezent auszurasten. Unsere Gastgeberin war allerdings neu in der Stadt und kannte sich fast genauso wenig aus wie wir. So sind wir in den zwei Tagen nur ziellos in irgendwelchen Kaschemmen und Skateparks versackt. Hamburg war cool und schön, aber irgendwie nicht zufriedenstellend. Doch das schmälerte unsere Stimmung kaum, denn das eigentliche Highlight des Wochenendes sollte ja noch kommen: Neelix in Wuppertal. Was für ein Brett! Es war alles geplant, Tickets für Bus und Party gebucht. Bocklevel bei 100%.

Doch dann ein herber Rückschlag: um genau 5 Minuten verpassten wir unseren Fernbus nach Wuppertal. Wie die letzten Hornochsen hetzten wir zum Hbf, doch keine Chance. Da standen wir also, am leeren Bussteig 8, wie die traurigsten Kinder an Karneval. Doch damit nicht genug: Nach kurzer Erkundigung stellte sich heraus, dass alle Busse und Mitfahrgelegenheiten in den Pott, ja sogar nach ganz NRW an diesem Abend schon ausgebucht waren. Damals erschien es einfach wie Pech, heute bin ich sicher, es war Schicksal.

Nach dem obligatorischen Geplenkel, wer denn nun an der Miesere Schuld sei, rafften wir uns auf und checkten Alternativen ab. Da wurde uns bei Blablacar eine Fahrt für die nächste halbe Stunde angezeigt. Fahrtziel: Bremen.
Okay… was geht in Bremen? Wir kannten bis dato keinen einzigen Menschen dort. Also schaute ich bei fb nach, was denn da so geht. Durch den like einer Freundin bin ich dann auf eine Veranstaltung gestoßen: Dreamland. An diesem Punkt sollte der Abend eine Wendung nehmen.

Wir sind erstmal aus allen Wolken gefallen, als wir Pendulum gelesen haben. Ihr müsst wissen, ich höre und liebe Drum and Bass seit ich 14 bin. Ich bin damals durch das Gaming drauf gestoßen. Villeicht ist das der Grund, warum ich nie im wahren Leben damit in Kontakt gekommen bin.  Jep, ich war bis dato nie auf einer DnB Party gewesen. Ein Schande oder!? All die verschwendeten Jahre, in denen ich in Standart Clubs zu Chart Musik abgehampelt, oder auf Techno Parties fast eingeschlafen bin. Für mich war „Feiern“ schon seit Jahren nur noch eine pseudo-soziale Verpflichtung, die mir selbst und anderen den Anschein gab, ich würde mein Leben leben.

Doch anyway. Ich konnte mir jedenfalls unter einer DnB Party nichts vorstellen. Weder wie man darauf tanzen soll, wie der Sound eigentlich klingt, was dort für Menschen rumlaufen.  Ich kannte diese Musik nur aus dem Headset. Dabei hatte ich mich sogar im Sommer zum ersten mal nach einem Drum and Bass Festival umgesehen, doch dabei komischerweise nichts passendes gefunden. Das war einer der Gründe, warum ich annahm, DnB sei schlichtweg keine partytaugliche Musik. Wo auch immer ich mal aufgeschnappt hatte, dass irgenwo DnB läuft, dachte ich nur „das ist dann aber nicht wirklich DnB“. Keine Ahnung woher dieses Bild kam, doch es hatte sich irgendwie festgesetzt. Diese Musik erschien mir immer mehr wie ein persönliches Fantasieprodukt.

Und doch konnte ich mir irgendwie vorstellen, dass Blood Sugar ganz gut abgeht im Club. Was hatten wir schon zu verlieren. Und so tuckerten wir eine halbe Stunde später gemütlich auf der 1 Richtung Bremen. Ankunft circa 21 Uhr. Der Fahrer, ein Einheimischer, war so freundlich uns direkt vorm Aladin abzusetzen. Da standen wir also, in einer völlig fremden Stadt, irgendwie lost. Ein kleinwenig Getümmel vor dem Club, ansonsten Stille.  Unser erster Gedanke war: „Hier soll Pendulum auflegen!? Das sieht aus wie ne Shisha-Bar.“ Tja, wir hatten ja keine Ahnung was uns erwartet. Nach einem entspannten Vorsuff im nächstgelegenen Kiosk begaben wir uns dann gegen halb 11 zurück zum Club. Hier waren wir zum ersten mal überrascht, wie voll es war. Noch immer hatten wir null Ahnung, was gleich kommt. Am Eingang dann bezahlen, dann das Bändchen, dann weiter..

Für das, was ab da abging, fehlen uns immer noch die Worte. Schon nach 2 Minuten wussten wir, dass dieser Abend legendär würde. Ich kann mich genau erinnern: Die ersten Bass-Drum-Schläge dröhnten zu uns durch. Und dann mein erster Gedanke: „Alter… hier läuft ja wirklich Drum and Bass!!“.

Es kam vieles zusammen und ich kann nicht genau sagen, was es eigentlich war; der alles zerberstende  Bass, der bis tief unter die Haut ging, die hammer geile Location, die bomben Stimmung, die Mädels… vermutlich alles zusammen. Hängen geblieben ist vorallem ein „Was ist hier denn los!!??“ das O. und ich uns gegenseitig und dem ganzen Club immer wieder zuwarfen, mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und fast kindlicher Euphorie.

Es gibt nicht genügend Worte, um die Gefühle und Details dieses Abends zu beschreiben. Doch ich habe dieses eine Bild im Kopf: Es ist, als wenn man das Mädchen, mit dem man seit Jahren eine Fernbeziehung führt, das man noch nie in der realen Welt getroffen hat, und dennoch unsterblich in sie verliebt ist… wenn man dieses Mädchen zum ersten mal im wahren Leben trifft, sie vor dir steht, und noch viel schöner und umwerfender ist, als du es dir vorgestellt hast, und sie dann zum ersten mal küsst. Dieses Gefühl war für mich Dreamland. Meine Liebe für Drum and Bass war immer vorhanden, jetzt kann ich sie leben.

So etwas kann man mit keinem Eintrittsgeld der Welt bezahlen: deshalb sagen wir Danke!

An diesem Abend durch die Tore des Aladin zu schreiten war wie der Eintritt in eine neue Dimension, ein neues Leben.

Seitdem wird hier in Köln jedes WE ne DnB abgerissen (teilweise auch unter der Woche :P), ich habe tolle neue Freunde gefunden und ich fühle mich durch die Musik und die komplette Szene unglaublich bereichert. Abgesehen davon, dass Feiern endlich wieder Sinn macht!

Dafür nochmals Danke! Macht weiter so! Ich bin mir sicher ich bin nicht der einzige dem es so geht

Big love und viele Grüße aus Köln,

O. & J.

Ein Gedanke zu „Liebesbrief“

  1. Oliver Donner sagt:

    Ohne Worte! Du hast alles geschrieben 😍😍 love and many more 😚😚
    J & O

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